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Expertentipps
Teil 1: Bewerbung
Unsere Serie startet mit dem Thema Bewerbung: Wann sollte man am besten mit der Jobsuche anfangen? Welche Fehler sollten in der Bewerbung unbedingt vermieden werden und womit kann man punkten? Lesen Sie hier die Antworten der Recruiting-Experten:
1. Wie lange vor dem Studienabschluss sollte man sich um einen Job bewerben?
Tim Hanneforth, Leiter Talent Sourcing bei der AREVA NP GmbH:
Der Arbeitsmarkt ist seit jeher gekennzeichnet durch intensive Veränderungen, er schwankt in zunehmend kürzer werdenden Abständen vom Bewerber- zum Arbeitgebermarkt und zurück. Den richtigen Zeitpunkt einer Bewerbung gibt es sicher nicht, stattdessen sollten Studierende bereits während des Studiums Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern aufbauen und ein Netzwerk pflegen, um für sich interessante Aufgaben und Unternehmen zu entdecken.
Judith Charles, Manager Employer Branding bei der Bertelsmann AG:
Bei Bertelsmann können Sie sich jederzeit bewerben. Für Ihre persönliche Planung ist es sicher sinnvoll, für den ganzen Prozess von der Arbeitgeberauswahl bis hin zur Vertragsunterzeichnung drei bis 6 Monate einzuplanen.
Achim Oettinger, Leiter Personalmarketing bei Brose:
Drei bis vier Monate vor dem geplanten Zeitpunkt der Einstellung sollte mit der Bewerbung gestartet werden. Wenn der Berufseinstieg direkt nach Studienabschluss erfolgen soll, fällt dies evtl. in die heiße Phase der Diplom- bzw. Abschlussarbeit. Vor allem aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation ist eine längere Bewerbungsphase möglich. Deshalb: Nicht zu spät mit der Bewerbung beginnen.
Joana Neunzling, Referentin Recruitment / Personalmarketing bei der Kienbaum Management Consultants GmbH:
Grundsätzlich empfiehlt sich immer eine frühzeitige Kontaktaufnahme. Eine genaue Zeitangabe ist schwer zu nennen, da auch kurzfristig Bewerber eingestellt werden können. Man sollte aber idealerweise im letzten Semester des Studiums mit der Bewerbung beginnen.
Ulrike von Faber, Expert HR Marketing bei der Roche Diagnostics GmbH:
Es empfiehlt sich ca. sechs Monate vor Abschluss mit dem Bewerben zu starten.
Melanie Them, Leadership Development D-A-CH bei Unilever Deutschland:
Zwei bis drei Monate vorher, für das Unilever Future Leaders Programme ist aber auch schon während des Studiums eine Bewerbung möglich.
2. Wann legen Sie eine Bewerbung sofort wieder aus der Hand?
Tim Hanneforth, AREVA: Eine Bewerbung dient vor allem dem Zweck, den Kandidaten kennen zu lernen. Standardschreiben ohne Leben und ohne Zielvorstellungen wirken klinisch rein, nüchtern und glatt, sie lassen zu viel Raum für Interpretationen durch den Bewerbungsempfänger. Ziel einer Bewerbung ist für sich zu werben, bitte machen Sie davon Gebrauch.
Judith Charles, Bertelsmann: Eine Bewerbung sollte gewisse Rahmenkriterien erfüllen:
- grundsätzlich sollten Bewerbungen eine einheitliche gut verständliche Darstellung haben
- bei einer Papierbewerbung ist es wichtig, dass die Unterlagen sauber und ordentlich ausgedruckt sind
- Anschreiben und Lebenslauf sollten enthalten sein
- Rechtschreibung und Grammatik sollten gut überprüft werden
Achim Oettinger, Brose: Wenn der Eindruck entsteht, dass ein Bewerber kein echtes Interesse an unserem Unternehmen hat oder gar ein anderes Unternehmen im Anschreiben angesprochen wird. Ein Knock-out-Kriterium sind natürlich fehlende fachliche Qualifikationen. Verfügt jemand beispielsweise über keinerlei praktische Erfahrungen im Controlling und hat auch im Studium andere Schwerpunkte gewählt, kommt er als Controller nicht in Frage.
Joana Neunzling, Kienbaum:
- Fehlerhaftes Anschreiben / CV
- Unübersichtliches Layout
- Falsche Anrede / Falsches Unternehmen
Ulrike von Faber, Roche Diagnostics: Da wir auf Online-Bewerbungen umgestellt haben, ist die Form der Bewerbung durch unsere Eingabemaske vorgegeben. Was aber auf keinen Fall fehlen darf, ist ein individuelles Anschreiben, das auf die ausgeschriebene Position Bezug nimmt und aus dem Interesse am Unternehmen und der Aufgabe glaubwürdig erkennbar sind. Auch fehlende Unterlagen machen keinen guten Eindruck. Die fehlende fachliche Passung des Bewerbers / der Bewerberin mit dem Anforderungsprofil der zu besetzenden Position ist ebenfalls ein Kriterium für die Weitergabe der Unterlagen an den Fachbereich.
Melanie Them, Unilever: Wir verschaffen uns über jeden Bewerber ein Gesamtbild, bevor wir eine Entscheidung treffen.
3. Welche Stationen im Lebenslauf bringen Pluspunkte?
Tim Hanneforth, AREVA: Aktuell erreichen uns jährlich ca. 30.000 Bewerbungen. Für uns als nuklearer Anlagenbauer sind neben dem ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Studium insbesondere Erfahrungen – z.B. durch eine zuvor absolvierte Berufsausbildung, durch studienbegleitende Tätigkeiten oder Praktika – in der Branche von besonderem Interesse. Darüber hinaus bewerten wir Erfahrungen in besonders sicherheits- und dokumentationsintensiven Branchen, wie z.B. der Luft- und Raumfahrt, der Bahntechnologie, dem Großanlagenbau oder Prüfungsgesellschaften sehr positiv.
Judith Charles, Bertelsmann: Je nach Einstiegsposition erwarten wir von Bewerbern eine gewisse Berufserfahrung durch studentische Projekte, Selbständigkeit, Praktika oder vorherige Jobs in anderen Unternehmen. In einem international tätigen Konzern wie Bertelsmann ist für uns auch Auslandserfahrung sehr wichtig. Zusätzliche Pluspunkte bringt soziales Engagement, das bei Bertelsmann zu den Grundwerten gehört.
Achim Oettinger, Brose: Grundsätzlich unterschätzen viele Bewerber die Bedeutung praktischer Erfahrungen in Form von Praktika, Werkstudententätigkeiten, Diplomarbeit oder Praxisprojekte im Studium. Besonders gerne sind Erfahrungen aus derselben Branche bzw. ähnlichen Fachbereichen gesehen, die zum angestrebten Job passen. Positiv fallen auch Hinweise auf, die Rückschlüsse auf soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft oder Flexibilität erkennen lassen. Auch mit Auslandsaufenthalten kann man Pluspunkte sammeln, sofern sie für den Job erforderlich sind.
Joana Neunzling, Kienbaum:
- Auslandserfahrung
- erste relevante Praxiserfahrung
- verkürzte Studienzeit
- Engagement außerhalb des Studiums, z. B. in der Fachschaft, bei studentischen Unternehmensberatungen und Organisationen
Ulrike von Faber, Roche Diagnostics: Auf alle Fälle Praktika und Auslandserfahrung. Wir bevorzugen einen Lebenslauf, aus dem hervorgeht, dass der Kandidat / die Kandidatin in der Lage ist, auch über den Tellerrand zu schauen. Außerdem bewerten wir Engagement außerhalb der Universität – gesellschaftspolitisch wie sozial – positiv.
Melanie Them, Unilever:
- Auslandserfahrung
- praktische Erfahrungen
- außeruniversitäres Engagement
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