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Promotion


von Mira-Kristin Muth

Wer anschließend an den Master keinen direkten Berufseinstieg plant und stattdessen weiterhin wissenschaftlich arbeiten möchte, der findet im mindestes dreijährigen Promotionsstudium die richtige Alternative.

Der höchste akademische Grad ist bei uns der Doktor – normalerweise er-reicht durch eine Promotion an einer Hochschule mit Promotionsrecht. Der Promotion voraus gehen die beiden Abschlüsse Bachelor und Master. In Fachgebieten wie beispielsweise den Naturwissenschaften wird eine Promotion vorausgesetzt, wenn Sie an einer Karriere in der Forschung interessiert sind.

Bedingung für die Aufnahme eines Promotionsstudiums ist zumeist ein guter bis sehr guter Studienabschluss in der entsprechenden Fachrichtung im Hauptfach. Vereinzelt ist es auch möglich, ohne Master bzw. Magister- oder Diplomabschluss zu promovieren. Sind Sie als Bachelorabsolventin oder
-absolvent besonders qualifiziert, können Sie auch ohne Master mit einem zusätzlichen Eignungsfeststellungsverfahren direkt zur Promotion zuge-lassen werden. Für die Zulassung ist die der Universität angegliederte Promotionskommission zuständig.

Thema & Betreuer


Ein wichtiger Punkt ist das Finden eines geeigneten Themas sowie der Doktormutter bzw. des Doktorvaters. Da viele Studierende für die Promotion jedoch an derselben Hochschule und häufig auch bei der selben Betreuerin bzw. dem selben Betreuer verbleiben, entsteht das Thema bereits aus der vorherigen Zusammenarbeit heraus. Bei der Themenwahl sollte darauf geachtet werden, dass der Gegenstand nicht zu weit gesteckt ist, denn der Zeitraum für Ihre Forschungsarbeit ist begrenzt. Das Thema sollte außerdem auf Schwachstellen überprüft werden.

Möchten Sie sich außerhalb Ihrer Hochschule nach einer Betreuerin oder einem Betreuer erkundigen, können Sie andere Dozentinnen und Dozenten um eine Empfehlung bitten, in Vorlesungsverzeichnissen nach Fachpublika-tionen Ausschau halten oder auf Tagungen und Kongressen Kontakte knüpfen.

Das richtige Promotionsmodell


Bei der Wahl der Doktormutter bzw. des des Doktorvaters ist es wichtig, nicht nur auf das persönliche Interesse an einem Thema oder den Hoch-schulstandort zu achten, sondern auch darauf, wie an der entsprechenden Universität promoviert werden kann. Hier gilt es zu entscheiden, ob Sie das noch vorherrschende traditionelle Modell der Promotion vorziehen oder aber das der strukturierten Promotion. Eine weitere Option ist die externe Promotion, bei der Sie relativ unabhängig von der Hochschule arbeiten. Einen Überblick über die Promotionsmöglichkeiten in Deutschland bieten beispielsweise der Hochschulkompass (www.hochschulkompass.de) und das Forschungsportal (www.forschungsportal.net).

Traditionelle Promotion

Bei der traditionellen Promotion gibt es weder einen festen Stundenplan noch einen festgelegten Abgabezeitpunkt oder Anwesenheitspflicht. Gern gesehen ist jedoch, ein Doktorandenkolloquium und die Lehrveranstal-tungen der Doktormutter bzw. des Doktorvaters zu besuchen.

In Abstimmung mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer wird die Dissertation als eigenständige Forschungsleistung erbracht. Als Betreuerin oder Betreuer kommen sowohl habilitierte Professorinnen und Professoren oder Privat-dozentinnen bzw. -dozenten als auch Juniorprofessorinnen und -professoren ohne Habilitation in Frage.

Diese sehr freie Art der Promotion hat Vor- und Nachteile. Sie als Dokto-randin oder Doktorand können einerseits Ihre Zeit frei einteilen und sind in hohem Maße unabhängig. Andererseits müssen Sie aus genau diesen Gründen ausreichend Selbständigkeit und Eigenmotivation aufbringen, um die durchschnittlich drei bis fünf Jahre Dissertationszeit durchzustehen. Das Verhältnis zur Betreuerin bzw. zum Betreuer muss ausgezeichnet sein, um die Promotion erfolgreich abzuschließen.

Strukturierte Promotion

Bemängelt am deutschen Promotionssystem werden unter anderem die fehlende Transparenz bei Auswahl, Zulassung, Betreuung und Prüfung der Doktorandinnen und Doktoranden. Außerdem kritisiert wird die Abhängig-keit vom Betreuenden und anderen Vorgesetzten sowie das hohe Durch-schnittsalter der Promovierten.

Der Bologna-Prozess zur Harmonisierung der europäischen Hochschulland-schaft soll hier Abhilfe schaffen. Es soll einen Doktorgrad geben, der in allen EU-Ländern anerkannt wird. Empfohlen wird die Einführung von strukturier-ten Promotionsstudiengängen, die den Doktorandinnen und Doktoranden verschiedene Vorteile bieten. Die Umstellung auf das konsekutive Studien-system, also die Abfolge von Bachelor und Master, bringt eine Flexibili-sierung des Studiums mit sich. Studiums- und Promotionsphase können so besser verbunden werden, vereinzelt ist bereits nach dem Bachelor der Einstieg in die Promotion möglich. So verkürzt sich die Promotionsphase und das deutsche Hochschulsystem wird für ausländische Studierende offener.

Für die Promotion geschaffen werden sollen also klare Strukturen mit genau definierten Verantwortlichkeiten. Es soll transparente Verfahren der Quali-tätssicherung und Personalwahl eingeführt werden und die Promotionsdauer sinnvoll begrenzt werden. So promovieren die Doktorandinnen und Dokto-randen nicht mehr für sich allein, sondern in verbindliche Veranstaltungen und Studienabschnitte eingebunden. Bei gemeinsamen Forschungsprojekten können Sie in Austausch mit anderen Doktorandinnen und treten. Die Promotion soll in einem zuvor genau bemessenen Zeitraum stattfinden.

Externe Promotion

Bei einer externen Promotion verfasst die Doktorandin oder der Doktorand die Dissertation weitestgehend auf sich selbst gestellt und reicht sie an-schließend bei der Hochschule ein. Vorsicht: Nicht alle Promotionsordnungen lassen diese Art der Promotion zu!

Erfolgreich promovieren


Folgendes sollten Sie beachten, um erfolgreich zu promovieren:

  • Zuvor ausführlich über die verschiedenen Promotionsformen informieren und entscheiden, welche für Sie persönlich am besten geeignet ist.
  • Thema, Doktormutter bzw. -vater, Hochschulort, Promotionsfom und Finanzierung sollten zusammen passen!
  • Zeitaufwand und Kosten für die Promotion berechnen.

Und wie finanziere ich mich?


Anders als beispielsweise Aufbaustudiengänge oder ausländische Angebote ist das deutsche Promotionsstudium bis jetzt fast überall gebührenfrei. Zu bedenken ist jedoch, dass in der Phase des Verfassens der Doktorarbeit oftmals nicht oder nur wenig an anderer Stelle gearbeitet werden kann. Die Finanzen reichen dann nicht unbedingt aus, um über die Runden zu kommen.

Die Promovierenden können sich darüber hinaus auch nicht wie andere Studierende mit einem festen studentischen Beitragssatz krankenversichern lassen. Sie sind entweder über eine Erwerbstätigkeit (in der Hochschule oder außerhalb) krankenversichert – sofern Sie nicht einen 400-Euro-Job ausüben – oder müssen einen ermäßigten Beitrag von rund 120 Euro zahlen, zum Beispiel dann, wenn Sie nebenbei selbstständig tätig sind, ein Stipen-dium erhalten oder von den Eltern finanziert werden.

Im Folgenden werden die Förderungsmöglichkeiten der Begabtenförderungs-werke und der Max Planck Research Schools vorgestellt.

Stipendien & Begabtenförderung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Promovierende über die elf Begabtenförderungswerke (www.begabtenfoerderungswerke. de). Beantragt werden können die Stipendien direkt bei den Begabten-förderungswerken, die dann in einem Auswahlverfahren über die Vergabe entscheiden. Kriterien sind überdurchschnittliche Studienleistungen, soziales Engagement und Empfehlungen der Professorin bzw. des Professors. Ganz allgemein können all diejenigen gefördert werden, die an einer staatlichen oder staatlich anerkannten deutschen Hochschule zur Promotion oder zu einem forschungsorientierten Aufbaustudium zugelassen sind.

Die Förderungswerke sind allerdings parteinah, so dass es inoffiziell gerne gesehen wird, wenn Bewerbende der jeweiligen Partei nahe stehen.

Max Planck Research Schools

Die Max Planck Research Schools sind interdisziplinäre Wissenschafts-zentren, die aus der Zusammenarbeit zwischen den Max-Planck-Instituten und deutschen sowie teilweise ausländischen Universitäten und For-schungsinstitutionen hervorgegangen sind.

Promotionsstudiengänge an diesen Zentren bieten sehr gute Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten für graduierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ihr Hauptangebot ist für Naturwissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler gedacht. Für eine enge Zusammenarbeit der Doktoranden untereinander über Fach- und Ländergrenzen hinweg sorgen eine klare wissenschaftliche Schwerpunktbildung sowie die Bearbeitung gemeinsamer Themen. Informationen finden Sie unter www.mpg.de.

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